Team-WM 2022 in China

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HdB
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Team-WM 2022 in China

Beitrag von HdB »

Was sagt ihr bisher zur Team-WM?

Durch die Abwesenheit einiger Top-Spieler kommen diesmal spannende Spieler aus der 2. Reihe zum Zug. Besonders Deutschland stellt eine spannende Mannschaft ohne Boll, Ovtcharov und Franziska. Die Niederlage gegen Indien wäre in Normalbesetzung unvorstellbar.

Die Schiedsrichter spielen sich bisher am deutlichsten in den Vordergrund. Die Auslegung der Serviceregel hat bisher noch jedes Spiel zerstört (England-Schweden bei den Herren). So viele Zurechtweisungen der Spieler durch Schiedsrichter hab ich noch nie gesehen. Die Technik rund um die nicht vorhandenen physischen Zählgeräte ist eine Farce. Lange Pausen sind die Folge. Einen Rythmus finden ist dabei schwierig.

Unsere Abwesenheit finde ich persönlich am Ende doch sehr schade, da die Duelle richtig Freude machen und wir hinter den asiatischen Top-Teams wieder ein Wörtchen mitreden hätten können.
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Markus G.
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von Markus G. »

Jöööö, HdB ist wieder da! Schön Dich zu lesen!!! Ich gebe es zu, hatte leider noch keine Zeit mich besonders intensiv zu beschäftigen. Hab leider noch nix gesehen. Über die Absage Österreichs im Vorfeld habe ich hierhin geschrieben:

https://www.das-faire-tt-forum.at/viewtopic.php?t=5982

Aber ich werde in den nächsten Tagen versuchen etwas mehr Zeit für die WM zu finden. Ich finde die neuen „bekannten“ Namen in den Teams durchaus spannend. Das Deutschland gegen Indien 3:1 verliert ist überraschend, andererseits natürlich der geänderten Aufstellung geschuldet. Und natürlich auch der Tatsache, dass Indien im Vormarsch ist. Da gibt es eine Reihe von Hoffnungsträgern, auch im Nachwuchsbereich. Deutschland hat sich jetzt mit dem 3:1 Sieg gegen Frankreich rehabilitiert. Die deutschen Damen stehen im Achtelfinale. Das wird sicher noch die eine oder andere Überraschung geben. Außer natürlich die späteren chinesischen Weltmeister Teams ;)
Ballonverteidiger
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von Ballonverteidiger »

Welcome back, Albert! :notworthy:

Ich habe auch noch keine Videos gesehen, sondern nur die Ergebnisse verfolgt.

Livestreams und Highlights gibt es bei Youtube auf dem World Table Tennis Kanal
Ergebnisse auf der WTT-Homepage

Durch viele fehlende Teams und Top-Leute ist die Team WM aus sportlicher Sicht für mich deutlich entwertet. Bei einer WM sollten die Besten spielen. Unter diesen Umständen war das leider nicht möglich. Dass China bei Damen oder Herren ernsthaft gefährdet werden könnte, wird vermutlich keiner annehmen. Eigentlich ist nur die Frage, wer sich die restlichen Medaillen abseits von Gold für China sichert. In Vollbesetzung mit Dang, Ovtcharov, Franziska, Boll wäre Deutschland - wie auch bei den Team-Großereignissen der letzten Jahre - der erste Anwärter auf ein Finale gegen China. In der aktuellen Besetzung wird eine Medaille diesmal eine große Herausforderung, wie die überraschende 1-3 Niederlage gegen Indien gezeigt hat. Mit dem Sieg gegen Frankreich haben sie sich wieder rehabilitiert und noch intakte Chancen. Besonders in den Achtel- und Viertelfinali wird es interessante Duelle geben. Da werde ich dann auch einschalten. Schweden hat aus europäischer Sicht die besten Chancen in Halbfinale oder Finale einzuziehen. Denen drücke ich die Daumen.

Bezüglich Service gibt es seit vielen Jahren international Briefings für die Schiedsrichter, die dazu angehalten werden härter durchzugreifen. Das hat bereits vor einigen Jahren begonnen, als ich noch internationale Turniere gespielt habe. Ich erinnere mich an Schweden Open 2014. Da hat man das als Spieler mitbekommen. Einige erinnern sich vermutlich auch noch an das dramatische Damen Olympia Finale, als Ding Ning in Tränen aufgelöst zahlreiche Aufschläge abgezählt wurden und das gesamte Finale dadurch zerstört wurde. Vor einiger Zeit wurde auch eine Videotechnologie getestet ähnlich wie das "Hawk-Eye" beim Tennis, wo in Zeitlupe der Winkel des Ballaufwurfs und das Verdecken kontrolliert wurde. Bis das Video technisch bereitgestellt wurde sind oft Minuten vergangen. Völlig unbrauchbar in der Praxis, wenn es so lange dauert. Ist ein derartiges System bei der aktuellen WM im Einsatz? Alles überflüssig aus meiner Sicht. Früher hat man das alles nicht gebraucht und kaum einer hat sich beschwert. Dass Schiedsrichtern - wenn sie dann aktiv eingreifen - zudem häufig das Fingerspitzengefühl fehlt und sie in knappen Spielsituationen irgendwann mitten im vierten Satz erstmals intervenieren, kennen viele aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Insgesamt ist das sehr schlecht für den Sport, vor allem wenn es auf so einer großen Bühne zu Diskussionen und Unklarheiten kommt und sich selbst die Top-Spieler dann nicht auskennen, warum es denn jetzt plötzlich nicht passt, obwohl sie seit Jahren so servieren. Die Regel müsste klar und eindeutig sein, das ist die Service-Regel aber aus meiner Sicht nicht, weil sie auch so formuliert ist, dass Ermessens-Spielraum offen bleibt. Natürlich ist es bei vielen grenzwertig. Ein weiteres Problem liegt darin, dass manche Schiedsrichter gar nicht eingreifen und andere aber bekannt dafür sind. Dadurch entsteht für mich häufig der Eindruck von Willkür und das erachte ich als besonders schlecht.
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von HdB »

Die Europäer machen richtig Freude bei dieser WM zum Zuschauen. Beinahe jedes Team hat großartige Spieler in seinen Reihen.

Für mich die spannendsten Spiele der WM bisher:

England gegen Frankreich.
Pitchford im Alleingang. Warum haben die Engländer Walker nicht auf 3 gestellt? Das wäre aus meiner Sicht die einzige Chance auf den Sieg gewesen...

Frankreich gegen Deutschland.
Wie man sieht, ist bei mir immer Frankreich dabei. Die Lebruns sind einfach sehr interessant zu verfolgen.

Die Schweden haben halt ein schweres Los mit China gezogen. Sie sind sicher unsere letzte (und einzige) Hoffnung...
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Markus G.
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von Markus G. »

Es geht ans Eingemachte! Chinesinnen waren einmal mehr viel zu stark für den Rest der Welt! Schade, hätte Ito & Co zugetraut ihnen so zuzusetzen, wie es die japanischen Männer getan haben. Diese haben in einem mMn vorweg genommenen Finale China doch gefordert. Ob Deutschland Chinas Herren so fordern kann, darf bezweifelt werden!

https://kurier.at/sport/tischtennis-wm- ... /402174948
HdB
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von HdB »

Gefordert hat die Chinesen Harimoto und nicht die Japaner.

Ma Long im Einzel gegen Qui --> da tat einem Qui im vierten Satz schon leid, dass Ma Long dermaßen noch nachsetzen kann (11:1).

Leider muss ich Werner Schlager zustimmen, wenn er sagt, dass die Vielfalt verloren geht. Früher wurde viel mehr gezaubert und Spieler mit Ballgefühl konnten öfter als Sieger vom Tisch gehen. In Summe ist es an der Spitze more of the same. Nicht falsch verstehen: Es beeindruckt mich schon, mit welchem Tempo die Duelle Rückhand-Rückhand gespielt werden, aber Vielfalt sieht halt anders aus. Auf dem Top-Level können auch nur die wenigsten Spieler mit den Chinesen mithalten. Man könnte meinen, die betreiben eine andere Sportart.

Mein Fazit: Es bleibt länger wie es war. Chinesen beeindrucken. Europäer begeistern.
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Markus G.
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von Markus G. »

Schön geschrieben! Aber ich würde doch meinen dass sich da eine breite männliche Phalanx aus Europa bildet, die den Chinesen zusetzen werden, wie es ein Harimoto heute schon tut. Finde die Kreativität und unterschiedlichen Spielweisen hat wieder zugenommen. Es spielen nicht mehr alle „gleich“. Vielleicht begeistern deshalb die Europäer so. Ich bin da also nicht so pessimistisch.
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Re: Team-WM 2022 in China

Beitrag von Ballonverteidiger »

Trotz zahlreicher fehlender Spieler und Nationen letztlich das für mich erwartete Endergebnis ohne Überraschungen bei den Medaillengewinnern. Vor allem die Bilanz der chinesischen Damen ist makellos (24:0 Matches, 72:2 Satzverhältnis). Dominanter geht nicht. Dass Harimoto gleich beide Spiele gegen China's Herren gewonnen hat, wird den Chinesen einige Denkaufgaben für die Zukunft geben und das ist auch in ihrem Eigeninteresse. Für die deutschen Herren ist die Silbermedaille ohne Boll, Ovtcharov und Franziska ein Riesen-Erfolg. Die Franzosen (ohne Gauzy) kamen mit ihrer Mannschaft bis ins Viertelfinale und werden in Zukunft noch zahlreiche Chancen haben wieder einmal eine WM-Medaille zu gewinnen. Bitter war die Viertelfinal-Auslosung mit China für die Schweden, die hätten mit ihrer starken Mannschaft auch um die Medaillen mitgekämpft gegen Deutschland, Japan und Südkorea.

Die Kritik bezüglich der fehlenden Vielfalt in den Spielsystemen teile ich, allerdings würde ich meinen, dass aktuell wieder einige jüngere Spieler dabei sind, die sich mit mehr Variabilität in ihrer Spielweise und so manchem Alleinstellungsmerkmal auszeichnen. Dabei denke ich insbesondere an Moreghard und die Lebrun-Brüder. Auch Qiu Dang tanzt (wie Felix Lebrun) mit seinem beidseitigen Penholder-System (erinnert an Wang Hao) aus der Reihe.

Insgesamt haben sich die Voraussetzungen für das Spiel auf Top-Niveau in den letzten rund 15 Jahren durch das Frischklebeverbot sowie die Einführung der Plastik-Bälle (Rotationsverlust) maßgeblich verändert. Die dadurch weiterentwickelten, optimierten Beläge ermöglichen auch diese sehr aggressive, schnelle Spielweise. Für Defensivspieler ist es durch die Polybälle viel schwieriger geworden, weil auch der Schnittwechsel nicht mehr so giftig ist wie früher. Dennoch konnte Ruwen Filus vor kurzem überraschend ein WTT-Turnier gewinnen.

Meiner Ansicht nach ist es generell schwierig mit früheren Zeiten und Spielern direkt zu vergleichen, da sich alle Sportarten stets weiterentwickeln. Was ich festhalten würde ist, dass die von der ITTF eingeführten Regeländerungen (40mm-Bälle, Frischklebeverbot, Plastik-Bälle) jedenfalls nicht dazu beigetragen haben, dass das Spiel langsamer und die Ballwechsel länger geworden wären. Die Variabilität und Vielfalt wurde dadurch auch nicht gefördert. Durch die stets steigende Professionalisierung des Trainings und der Optimierung der athletischen Leistungsfähigkeit wurde den geänderten Voraussetzungen stark entgegengewirkt, sodass das Spiel noch schneller ist als früher. Daher basiert modernes, erfolgreiches Tischtennis überwiegend auf guter Technik, Athletik & Power und weniger auf taktischer Finesse, Ballgefühl, Kreativität oder ausgeprägten Defensivkünsten.
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